Sebastian Krämer begeistert Besucher der Zeche Zollverein
Leicht skurill mutet die kitschig-verträumte Liebes-Ballade “Doris” an – ein bisschen im kauzigen Stil eines 20er-Jahre-Entertainers. “Na, entspricht das so Ihrer Erwartungshaltung? Oder eher nicht so?” fragt Sebastian Krämer, der junge Mann am Klavier, und blickt grinsend ins leicht irritierte Publikum. In der Tat hat der Opener sowohl thematisch als auch musikalisch eher wenig mit dem Rest des Programms “Krämer bei Nacht” zu tun, sondern dient hauptsächlich dazu, das Publikum im Erich-Brost-Pavillion der Zeche Zollverein gleich zu Anfang zu überraschen. Das wird dem Klavier-Kabarettisten während des Programms noch mehrere Male gelingen.
Das dreht sich nämlich rund um das Thema “Nacht” – um Träume, Geistergeschichten und Lieder von nächtlichen Begebenheiten. Es enthält – nach Eigen-Beschreibung des Deutschen Kleinkunstpreis-Trägers – “Schlaflieder – und einige Schockmomente habe ich ebenfalls eingebaut – damit Sie auch wachbleiben”. Gleich beim zweiten Lied animiert Krämer zum Mitsingen des Refrains (“Und jetzt alle mit Westernhagen-Stimme!”) – und hat das Publikum von jetzt an voll auf seiner Seite.
Einer musikalischen Homage an die Horrorgestalt Freddy Krüger folgt eine “Chanson d’aventure” über Drachentöter und das Geisterlied “Die Don Kosaken zu Wattenscheid”. Zwischen den Liedern baut Krämer witzige und skurille Geschichten ein, in denen er sich etwa mit DJs auseinandersetzt oder ein unveröffentlichtes Drehbuch für seinen Horrorfilm “Der Exorzist minus drei” vorliest.
Alles in allem ein abwechslungsreiches Programm, das oft überrascht, nie langweilig wird und viele Facetten hat. Genau wie die Location “Zeche Zollverein”, an der Krämer mit dem Programm gastierte. Denn wer denkt schon bei dem Begriff “Zeche” an einen abwechslungsreichen Kabarett-Abend?

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