Näher, größer, lebendiger! – Ein Spaziergang durch die ZOOM Erlebniswelt Gelsenkirchen

Entzückend! Diese kleinen, runden, brombeerfarbigen Augen, die neugierig in die Welt hinausschauen! Diese beiden spitzen gelben Zähne, die frech aus dem Maul hervorlugen! Und dann noch dieses süße kleine Stupsnäschen, mit dem der kleine Kerl vor sich hin mümmelt! Der Baumstachler, der ein wenig nach einer Mischung aus Biber und Stachelschwein aussieht, wirkt schon ziemlich niedlich. Man möchte fast über die Glaswand klettern, ihn in den Arm nehmen – und dann einfach nur knuddeln. Ein Blick auf die Hinweistafel neben dem Gehege verrät, dass das vielleicht doch keine so gute Idee wäre: Sein scheinbar flauschiges Fellkleid besteht nämlich aus 30.000 dicken, acht Zentimeter langen Stacheln, die mit kleinen Widerhaken versehen sind. Die besagte Umarmung hätte zur Folge, dass sich die Stacheln in die Muskulatur bohren, dann dort stecken bleiben und mit jeder Bewegung immer tiefer eindringen. Pro Tag kann ein Stachel zwei bis drei Zentimeter weiter in den Körper eindringen und sogar den Körper durchwandern.

Da bin ich dann doch froh, zumindest ein wenig Abstand zu dem Schein-Kuscheltier zu haben. Er wirkt ja auch aus dieser Perspektive bereits „zum Greifen nah“. Das ist auch eine der Besonderheiten der ZOOM Erlebniswelt Gelsenkirchen, in der man diesen Nager und seine Freunde bestaunen kann: In kaum einem anderen Zoo sieht man Tiere tatsächlich aus einer solch unglaublichen Nähe – herangeZOOMt quasi.

Das 31 Hektar große Gelände ist aufgeteilt in die zwei Erlebniswelten „Alaska“ und „Afrika“. Eine weitere Erlebniswelt „Asien“ wird momentan gebaut und soll 2009 fertig gestellt werden.

In der Erlebniswelt „Alaska“ tummeln sich neben den Baumstachlern beispielsweise einige Skunks. Skunks – das sind jene schwarz-weiß gemusterten Marder, die landläufig unter dem Namen „Stinktiere“ bekannt sind. Wobei das Exemplar, das da vor meine Kameralinse wuselt, eher braun-weiß gemustert ist. Und ziemlich quirlig wirkt er – kaum habe ich den Auslöser betätigt, ist der scheue Vierfüßler auch schon wieder außer Sichtweite.

Überhaupt sind die meisten Tiere hier auffällig aktiv und scheinen sich in ihren geräumigen Gehegen richtig wohl zu fühlen: Ein Elch präsentiert einer Gruppe Enten und Gänse stolz sein Geweih, das majestätisch in der Morgensonne glänzt. Ein vorlauter kleiner Polarfuchs neckt eine riesige Braunbärin und ihr Jungtier mit ohrenbetäubendem Geschrei. Als sich die Bärin ihm daraufhin nähert, sucht er schnell das Weite. Zwei Seelöwen liegen eng umkuschelt auf einem Felsen und sonnen sich. Dabei scheint es sie fast gar nicht zu stören, dass ihr Artgenosse immer wieder versucht, sie ins kühle Nass zu locken. Ein Eisbär schwimmt an einer Scheibe entlang – hautnah an den Besuchern vorbei. Und ein paar kanadische Fischotter wuseln durchs Wasser, posieren verspielt auf einem Stein und machen Männchen – gerade so, als hätte jemand sie dressiert.

Dem Auge wird also jede Menge geboten. Aber auch derjenige, dem Anschauen alleine nicht reicht, kommt in der ZOOM Erlebniswelt voll auf seine Kosten. Wer auf Action steht, kann beispielsweise auf einer Hängebrücke einen strömenden Fluss direkt neben reißenden Wasserfällen überqueren oder im Fahrgeschäft „Alaska Ice Adventure“ die stürmische Reise auf einer Eisscholle durchs Nordpolarmeer erleben.

Gerade noch in Alaska gewesen und jetzt schon auf dem Schwarzen Kontinent.

Ziegen, Watussirinder und Flamigos kennen wir aus den meisten Zoos. Doch was sind eigentlich Kormorane, Rote Varis oder Servale? Das könnt ihr in der kleinen afrikanischen Tiererlebniswelt in Gelsenkirchen herausfinden. Denn ZOOM zoomt ran. Nichts bleibt verborgen.

Ob Löwen, Affen, Hyänen, Giraffen oder Flamingos, sie alle fühlen sich wohl in der Welt des Ruhrgebietes. Das ist angesichts des Klimas und der Umgebung selbst erstaunlich, aber die Architekten und Logistiker haben es geschafft, wirklich ein Stück Afrika nach Deutschland zu bringen. Die Gehege sind riesig und ohne sichtbare Grenzen. Flusspferde, die ihre tonnenschweren Körper in Richtung Schubkarre wuchten, wirken trotz des friedsamen Charakters doch ein wenig bedrohlich. Der Tierpfleger ist gerade mit dem Mittagessen, einfachem Salat, gekommen. Rums, rums, rums! Schmatz, kau, Getöse. Sie wollen mehr, hieven ihre Masse immer ein bisschen weiter in Richtung Tierpfleger…

Die Giraffen sonnen sich am anderen Ende der Imitation ihrer eigenen, doch so fernen Welt. In diesem Gebiet stört sie niemand. Sie fressen die Bäume kahl und posieren für den Fotoapparat. Scheu sind sie nicht. Keines der Tiere in der ZOOM-Erlebniswelt ist scheu oder zieht sich schlaftrunken in seine Ruhe- und Versteckecke zurück. Die Tiere scheinen genauso neugierig wie die Besucher zu sein.

Das beweist der Rote Vari, der sich gerade von einem halben Dutzend Kindern streicheln lässt. Die aus der Primatenfamilie der Lemuren stammenden Varis sind grandiose Kletterer. Sie hangeln, springen und bewegen sich in den Ästen wie so mancher Mensch zu einer der Fastfood-Ketten. ;-)

Vergesst die Bootsafari nicht, wenn ihr Afrika besucht: Vielleicht posieren die Zebras oder Paviane ja auch für euch. :-P

Unter www.zoom-erlebniswelt.de findet ihr weitere Informationen. Vielleicht ist das ja mal was für euren Bio-Unterricht?!

Marc Hörcher und Verena Kerat

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