Mobbing - Spaß oder Ernst?

Dieser Artikel ist in Ausgabe 1/07 erschienen.

Im Folgenden möchte ich euch in wenigen Sätzen erklären, welche Bedeutung hinter dem Begriff des Mobbing steckt. „Mobbing“ leiteten wir in den Neunzigern vom Englischen „to mob“ ab. Es bedeutet „über (jemanden) herfallen“.
Wie uns dieses Verb schon verrät, ist Mobbing eine Art, sich über Mitmenschen lustig zu machen. Das kann sich in Schikanen, Demütigungen, übler Nachrede und Beleidigungen widerspiegeln oder sogar in sexueller Belästigung oder tätlichen Angriffen. Mobber können einzelne Personen oder ganze Gruppen sein, die es auf eine oder mehrere Person/en abgesehen haben.
Mobbing ist alltäglich! Wenn ihr im Bus sitzt oder an der Haltestelle steht, wenn ihr durch die Stadt lauft oder euch bei Mc Donalds einen Burger reinpfeift, werdet ihr öfter mit Mobbing konfrontiert, als die meisten von euch vielleicht zugeben möchten.

Ihr selbst werdet möglicherweise gar nicht gemobbt, sondern das dicke Mädchen mit den Pickeln und der Brille, die sich gerade eine große Eistüte für 3,50 € gekauft hat. Ihr kennt sie, helft ihr aber nicht aus Angst, vielleicht selbst plötzlich als Außenseiter zu gelten. Schlimmer noch, ihr seid diejenigen, die andere durch den Dreck ziehen. Klar mokierst du dich auch ab und zu über andere. Das macht jeder und niemand kann sich davon frei sprechen.

Aber es gibt einen Zeitpunkt, an dem aus Spaß Ernst wird. Versetzt euch in die Lage desjenigen, der gemobbt wird (egal ob ihr die „Täter“ oder „nur“ Zuschauer dieses Specktakels seid).
Was geht in ihm vor? Wie fühlt er sich? Wie lustig mag das Spielchen wohl sein, wenn ihr die Versager seid? Opfer solcher Erniedrigungen verlieren ihr Selbstvertrauen, verfallen in tiefste Depressionen und Selbsthass, kapseln sich von ihrer Umwelt ab, bekommen Existenzängste und können sich nicht mehr motivieren, in die Schule zu gehen, geschweige denn vernünftige Leistungen zu erbringen. Neben diesen seelischen Erkrankungen haben solche Fußtritte durch Mitschüler und Mitmenschen auch körperliche Beschwerden, die sich unter anderem in chronischen Bauch- , Glieder- oder Kopfschmerzen äußern. Mager- oder Fresssucht, Hautirritationen oder Haarausfall sind nur wenige Krankheiten, die Jugendlichen das Leben zusätzlich schwer machen.

Das Immunsystem macht schlapp, der Körper wird krank und hat kaum eine Chance, sich zu erholen und durchzuatmen. Es gibt viele Gründe zu mobben. Die Fachliteratur unterscheidet zwischen persönlichen Ursachen, z.B. Neid oder Frustration des Mobbers, und innerbetrieblichen Ursachen. Letzteres können eine ungünstige Zusammensetzung von Arbeitsgruppen und eine schlechte Arbeitsorganisation sein.
Außerdem kommt noch der Aspekt der gesamtwirtschaftlichen und –gesellschaftlichen Entwicklung hinzu. Bei anhaltender hoher Arbeitslosigkeit oder völlig enthemmtem Konkurrenzverhalten und einer allgemein schlechten Wirtschaftslage passiert es schneller, dass man seine Emotionen bewusst oder unbewusst an anderen auslässt. Deshalb reagieren Politik und Unternehmen.Vor kurzem mussten viele Angestellte einen Verhaltenskodex unterschreiben, um dem falschen Verhalten mancher Mitarbeiter vorzubeugen. Ob das wirklich was bringt?

Am 18. August 2006 ist das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz in Kraft getreten. Diese Maßnahme zeigt, dass selbst bei den manchmal realitätsfernen Politikern mittlerweile angekommen ist, dass immer häufger Menschen seelisch misshandelt werden.

Nun stellt sich mir die Frage: Wurde das Gesetz wirklich verabschiedet, um Opfern aus dem grausamen Alltag zu helfen oder ist es nur ein Schachzug, um die dadurch auftretenden Ausfälle in der Wirtschaft zu reduzieren? Denn kranke Arbeitskräfte arbeiten nicht, bekommen aber weiterhin ihr Gehalt!

Was haltet ihr davon? Stimmt ab!

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