Ein gelblicher Schimmer legt sich über meine Augen. Ich erkenne die Umgebung nur verschwommen, fast schemenhaft. Meine Beine sind schwer, genau wie der Rest meines Körpers. Jeder neue Schritt ist ein kleiner Kampf und kostet Überwindung. Keine Angst – Mir ist nichts Schlimmes zugestoßen, ich bin körperlich vollkommen gesund. Ich befinde mich nur im „Age-Simulator“ im ThyssenKrupp IdeenPark in Stuttgart. Hier kann ich eine Zeitreise unternehmen und ausprobieren, wie ich mich fühlen werde, wenn ich 60 Jahre älter bin. Um es vorweg zu nehmen: Nicht besonders gut.
Dass meine Bewegungsfreiheit eingeschränkt ist, liegt daran, dass mir ein Mitarbeiter des IdeenParks zuvor eine Weste mit Gewichten übergestreift hat. Fühlt sich ein bisschen an wie eine Röntgenweste, wie sie beim Arzt oder im Krankenhaus zum Schutz gegen Strahlung benutzt wird. Dann muss ich mir noch einen schweren Schutzanzug anziehen. Zwei verschiedene Armschienen, die ich mir anlegen lasse, sollen Knochen- und Gelenkbrüche simulieren. Kopfhörer lassen den Lärm in der Messehalle dumpf erklingen, als käme er aus weiter Ferne. Und selbst den Herrn im hellblauen IdeenPark-Shirt verstehe ich nur sehr schwer. Ziemlich ungünstig – soll er mir doch den Weg auf dem Parcours weisen, den ich jetzt durchlaufen soll. Wenn ich ihn besser hören will, muss ich wohl meinen Kopf näher an ihn heran bewegen. Aber auch das wird wohl schwierig, aufgrund der Halskrause, die mir verpasst wurde.
Und los geht´s – nach ein paar äußerst mühsamen Schritten soll ich zuerst eine Konservendose mit Bohnen in einem Schrank aus dem untersten in das oberste Regal heben. Klingt doch ganz leicht – als alter Mensch ist das aber ziemlich mühsam. Als ich dann noch das Kleingedruckte auf der Zutatenliste der Dose vorlesen soll, verzweifle ich völlig: Zu… ta… ten:… und mehr kann ich dann ich dann auch schon nicht mehr entziffern. Irgendwie beängstigend, denke ich mir – da ist man als alter Mensch ja gar kein mündiger Verbraucher mehr. Noch macht mir allerdings die nächste Aufgabe zu schaffen: Ich bekomme kleine Teppichstücke aus Stoff gezeigt, und soll die Farben benennen, die die Muster haben. „Ganz klar, dunkelblau!“ „Nein, das ist rot!“ werde ich verbessert. Erschöpft schleppe ich mich zu einem Sessel, der die nächste Parcours-Station darstellt. „Super – hier kann ich nun endlich sitzen und entspannen!“, denke ich mir. Von wegen: Jetzt soll ich aufstehen – und zwar ohne mich an den Armlehnen abzustützen. Klingt kinderleicht, ist es aber nicht: Meine Armschienen machen mich nahezu unbeweglich. Ich schaffe es nicht, gebe auf und stütze mich doch ab, lasse mir aber sagen, dass es Leute gebe, die diese Herausforderung meistern. Letzte Aufgabe: Das Treppensteigen. Hier klappt es vergleichsweise wieder gut und ich muss mich noch nicht mal am vorgesehenen Geländer festhalten. Ein mulmiges Gefühl ist es trotzdem, mit so viel Gewicht am Körper die Stufen hinauf- und hinabzusteigen.
Nach Verlassen des „Age Simulators“ plagen mich Kopfschmerzen, ich bin erschöpft und ein wenig schummerig ist mir auch. Jetzt muss ich erst mal an die frische Luft. Aber was soll´s – schließlich habe ich dieses kleine Experiment gewissermaßen „im Dienste der Wissenschaft“ unternommen. Der „Age-Simulator“ ist eine von zahlreichen Erfindungen, die in der Lebenswelt „In der Stadt“ im IdeenPark vertreten sind, der Ende Mai in der Messe Stuttgart vertreten war. Mitmachen und Ausprobieren war hier ausdrücklich erwünscht. Ziel der interaktiven Ausstellung war es, Kindern und Jugendlichen die Welt der Technik näher zu bringen und sie für Ingenieursberufe zu begeistern. Eine insgesamt durchaus gelungene interaktive Mitmach-Messe, die mich sehr überzeugt hat. Fazit: Ich freue mich schon auf den nächsten IdeenPark, der 2011 bei uns im Ruhrgebiet gastieren soll.



0 Kommentare zu “…60 Jahre später: Alt aus der Wäsche gucken im Thyssen Krupp IdeenPark”